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St. Johanniskirche

St. Johannis ist das einzige Bauwerk, das in seiner Gestaltung  die großen Architekten Schinkel, Stüler, Spitta und Bartning vereint.

 

Lage der St. Johanniskirche

Alt-Moabit 25
10559 Berlin

Die St. Johanniskirche ist für Besucher geöffnet:

Zur Zeit ist die Kirche nur am Dienstag zwischen 11 und 13 Uhr für Besichtigung geöffnet.
Veranstaltungen an der St. Johanniskirche entnehmen Sie bitte unserem Veranstaltungskalender (siehe unten)

Offene Kirchen in unserer Gemeinde finden Sie hier

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Die St. Johanniskirche

 

1. Gemeindegeschichte
 

In den Jahren 1832-1835 entstand  auf dem "Moabiter Berg", im Volksmund "Karnickelberg" genannt, dort,  wo die Brückenallee (Kirchstraße) auf den Spandauer Heerweg (Alt-Moabit) traf, nach einem Entwurf des damaligen Oberbaumeisters Karl-Friedrich Schinkel die St. Johanniskirche. St. Johannis erhielt ihren Namen nach Johannes dem Täufer und wurde am Johannistag, dem 24. Juni, 1835 geweiht. Der 24. Juni markiert seither den festlichen Anlass für Andacht und Zusammenkommen in der ersten Kirche Moabits.

St. Johannis übernahm einen Teil der bisher für Moabit zuständigen, fußläufig weit entfernt liegenden Sophiengemeinde. Moabit hatte zu dieser Zeit rund 700 Einwohner. 400 von ihnen fanden in St. Johannis Platz. Im Zuge der Industrialisierung wuchs Moabit aber stetig. Es wurden erste Klagen über die Sittenlosigkeit der hiesigen Bevölkerung laut. König Friedrich Wilhelm IV. wollte Abhilfe schaffen und weniger religiöse Menschen zum Glauben zurückführen. Er plante die kirchliche Seelsorge stärker mit der Kranken- und Armenpflege zu verbinden. St. Johannis wurde bis 1857 zu einer „Missionsstation“ mit Schulhaus ausgebaut  und erhielt in diesem Zuge in ihrer Erweiterung ihr heutiges architektonisches Antlitz.

Bis 1860 verneunfachte sich die Zahl der Einwohner Moabits auf 6543. In dieser Zeit entstanden die Borsigwerke, die Porzellanfabrik Schumann, das Gefängnis, die Ulanenkaserne, der Spandauer Schifffahrtskanal und der Humboldt-Hafen. Am 1. Januar 1861 wurde Moabit in die Stadt Berlin eingemeindet und erlebte damit einen weiteren Aufschwung. Es entstanden das Kriminalgericht, das Luisen-Gymnasium, der Lehrter Bahnhof sowie viele neue Straßen. 1864 ging das östlich an den Arkadengang anschließende Schulgebäude aus Kirchenhand an die Stadtgemeinde und wurde zur 31. Gemeindeschule Berlins, die 1907 die angrenzende Turnhalle erhielt. 1867 eröffnete St. Johannis zudem eine Sonntagsschule und führte den regelmäßigen sonntäglichen Abendgottesdienst ein.

Nachdem Berlin 1871 Reichshauptstadt geworden war, stiegen die Bevölkerungszahlen rasant. Bereits 1885 lebten etwa 35.000 Menschen in Moabit, eine Zahl, die sich in den kommenden zwei Dekaden noch versechsfachen sollte. Da die Kirche für die weiter gewachsene Gemeinde erneut  zu klein geworden war, musste sie, trotz der 1894 als weitere Predigtstätte vor Ort eingeweihten Heilandskirche, 1895/96 durch Max Spitta um ein Querschiff vergrößert werden.

 

Um 1930 arbeiteten die inzwischen sechs Kirchengemeinden Moabits und des Hansaviertels eng zusammen, um gemeinsam der kirchlichen Entfremdung entgegenzutreten. Die Nationalsozialisten versuchten, die Einflüsse der evangelischen Kirche zunehmend zu begrenzen. St. Johannis verlor einen großen Teil seiner Gemeinde: aus Überzeugung ebenso wie aus Angst vor Repressalien.

Am 23. November 1943 brannte das Kirchenschiff nach alliierten Luftangriffen völlig aus.
 


Die Kriegsruine von St. Johannis - Blick aus der Altarapsis in Richtung Kirchstraße


In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gottesdienste in einer Wohnung in Alt-Moabit 89 abgehalten. Von 1948-1957 fanden sie in einer ehemaligen Militärbaracke westlich der Ruine von St. Johannis statt. Bis zu 250 Gemeindemitglieder fasste die mit lehnenlosen Holzbänken ausgestattete Notkirche. Der 1950 gegründete Schinkelbauverein sammelte aber bereits  Mittel, um die denkmalgeschützte St. Johanniskirche wieder aufzubauen. Neben Geldspenden für den Wiederaufbau waren auch zweckgebundene Bausteinspenden erwünscht. In den Jahren 1950-57 konnte die Kirche wieder aufgebaut werden.


1963 wurde das neue Gemeindehaus mit Büro, Tagungsräumen, Festsaal und Kindertagesstätte fertiggestellt.
 

1971 zog die 6. Grundschule aus der Kirchenschule östlich von St. Johannis in ihren Neubau in der Paulstraße um, so dass die Räumlichkeiten des Schulhauses vom Bezirk für die Gemeinde zurückerworben werden konnten. Nach anfänglicher Nutzung als Wohnraum für den Pfarrer und durch kirchliche Institutionen, wurden sie -  ebenso wie das ehemalige Pfarrhaus  westlich der Kirche - vermietet.

Seit 2016 ist die ehemalige St. Johannisgemeinde Teil der fusionierten Evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten.

 

2. Architektur

2. 1 Äußere Erscheinung der Kirche

Die St. Johanniskirche ist eine der vier durch Karl Friedrich Schinkel in einem Zuge entworfenen Vorortkirchen. Sie waren bauähnlich, wiesen aber jeweils individuelle Charakteristika auf. Die drei weiteren befinden sich im Wedding (Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz, St. Paul-Kirche  Bad-/Ecke Pankstraße) und in Mitte (Elisabeth-Kirche in der Invalidenstraße).


Die Vorstadtkirche von St. Johannis in ihren ursprünglichen Ausmaßen

Insbesondere in der Architektur der Alten Nazarethkirche am
Leopoldplatz findet sich heute noch die Schinkelkirche St. Johannis


St. Johannis war ursprünglich eine einschiffige Hallenkirche mit längsrechteckigem Grundriss und halbrunder Apsis, ein schlichter Backsteinbau ohne Turm und Portikus. Da sie auf einer kleinen Anhöhe lag, erhielt sie eine vorgelagerte Freitreppe. Die Vorderseite öffnete sich unterhalb des Rundbogenfensters  mit einem dreitorigen Portal zur Brückenallee (Kirchstraße). Die Längsseiten der Kirche waren zweireihig durch Rundbogenfenster durchbrochen. Die Architektur der 1835 eröffneten Kirche war geprägt von kubischer Geschlossenheit und konstruktiver Sachlichkeit.

Die Schlichtheit und Zweckmäßigkeit Schinkels sollte im Rahmen der ersten baulichen Erweiterung jedoch schon bald einer romantischen Neuinterpretation durch Stüler weichen. Oberbaurat Friedrich August Stüler machte auf Wunsch von König Friedrich Wilhelm IV. bereits 1844 dementsprechende Entwürfe. Der König selbst, der sich intensiv mit der Architektur Italiens befasst hatte und dorthin auch mit Stüler gereist war, nahm während seiner Regentschaft großen Anteil an der Planung. Er verfügte den heutigen Standort des Turmes hinter den Arkaden. So wird von einer Bauzeichnung berichtet, in der der König mit Bleistift vermerkte:
"Ist dieser Plan der jetzt empfohlene, so genehmige ich ihn bis auf folgende evtl. Modifikationen: Ich hätte nämlich gern die offenen Arkaden auf beiden Seiten. Ist also das Fundament des Turmes noch nicht vorhanden, so soll der Turm hinter die Arkadenlinie kommen und ich will die beiden Pfeiler samt dem Stückchen Mauer vom Haus zum Turm selbst übernehmen. F.W."

Stüler schreibt in einem Brief an den König:
"Sr. Majestät haben sie nochmals genehmigt und nur gewünscht, nach den Andeutungen in Blei die Linsenstreifen des Moabiter Thurms nach venitianischen Mustern mit Bögen zu verbinden."

Die Pläne wurden bis 1857 umgesetzt. Es entstand eine malerische Baugruppe aus Kirche, Pfarr- und Schulhaus, einem hohem Campanile und einem dem Arkadengang inne liegenden Portikus. Der im Sinne Palladios entworfene zentrale Portikus im Stil des frühen Florentiner Quattrocento mit Figurenschmuck und Torbogen wiederholt dabei in seiner Giebelform den Dreiecksgiebel der Kirche und betont damit die Mittelachse. Der von der Eingangshalle abgehende Arkadengang verbindet die Kirche mit den seitlich angrenzenden, im italienischen Villenstil gestalteten Gebäuden: dem Pfarrhaus im Westen und dem Schulgebäude im Osten. An das Pfarrhaus schließt sich der nach venezianischem Muster gestaltete 47,6 m hohe Turm mit seinem achteckigen Aufsatz und seiner  kupfergedeckten Haube an.  Der Turm erhielt romantisierende Details, die wiederum auf den Wunsch König Friedrich Wilhelm IV. zurückgingen und der gesamten Anlage ein italienisches Aussehen verschaffen.

Zuletzt entstand 1865 noch das durch den Architekten Assmann entworfene Küsterhaus an der süclichen Friedhofsmauer, das heute eines der ältesten Häuser Moabits ist.

 

Die ursprüngliche Hallenkirche wurde in den Jahren 1895/96 durch Max Spitta erneut erweitert. Die alte Apsis wurde um fast ein Drittel der Kirchlänge nach Norden verschoben und erhielt flankierend beidseitig Nebenapside fast gleichen Ausmaßes. Ein der Kirche hinzugefügtes ausladendes Querschiff führte zu einem völlig veränderten Grundriss und Raumgefüge, das den wilhelminischen Zeitgeist auch in der Inneneinrichtung spiegelte.


Nordansicht auf das Gemeindegrundstück von 1905: links der heute fehlende Querteil der
alten Schule, mittig Querschiff und Apside, rechts das große Gemeindehaus


Während des Zweiten Weltkriegs wurde die St. Johanniskirche stark beschädigt, der Innenraum brannte im Zuge des Luftangriffs auf Berlin am 23. November 1943 völlig aus. Der Turm, sowie die stülerschen Nebengebäude blieben von den Bomben weitestgehend verschont.


In den Jahren 1952 bis 1957 erfolgte unter Leitung Werry Roths und Otto Bartnings, der zu den berühmtesten Kirchenbaumeistern des 20. Jahrhunderts gehört, der Wiederaufbau. Dabei kam Bartning mit dem Landeskonservator Hinnerk Scheper überein, dass die Spittasche Erweiterung zwar beibehalten werden sollte, die Wiederherstellung jedoch im Schinkelschen Sinne zu erfolgen hätte. Das Wiederaufbaukonzept sah vor, die Formen wieder schlichter zu gestalten, um die liturgischen Handlungen stärker in den Vordergrund zu stellen, aber auch um Demut zu beweisen. Hierzu wurde der Grundriss erneut verändert. Der Altarraum wurde verkürzt, der Altar vorgezogen und erhöht. An den Altarraum wurde ein großräumiger Anbau über mehrere Geschosse für Gemeinderäume angefügt, um Kirche und Gemeinde einander näher zu bringen.

Dem Richtfest am 14. Februar 1953 wohnte der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter bei. Reuter sprach den Wunsch aus, „dass über dieser Kirche die Sonne einer besseren Zukunft scheinen möge, und dass damit in den Menschen das Gefühl der Verpflichtung wach werde, in brüderlicher Liebe zusammenzustehen.“ 

 


St. Johannis - eine Kirche, vier Baumeister

 


1963 errichteten die Architekten Hans-Christian Müller und Georg Heinrichs anstelle des großen 1896/97 erbauten und 1945 ausgebrannten Gemeindehauses einen Neubau, der sich mit seiner dunklen Klinkerverblendung sowolhl modern zeigte, als auch an der gestalterischen Schlichtheit Schinkels und Bartnings orientiert..


Das gesamte Areal steht mit allen Nebengebäuden und dem fremdverwalteten Friedhof unter Denkmalschutz.


Friedhof St. Johannis I hinter der Kirche

 

 

2. 2 Der Innenraum 
 

Der Innenraum der durch Karl Friedrich Schinkel entworfenen St. Johanniskirche bot zunächst etwa 400 Besuchern in Bankreihen und auf Emporen Platz. Die Brüstungen ruhten auf schmalen Säulen und waren schwarz-weiß verziert. Ihre Ausrichtung entlang der Längswände betonte den Altar. Die Wände wurden nach Schinkels Plänen hellgelb gequadert, die Altarnische dunkelgrau marmoriert mit schwarz-goldenen Friesen. In der Apsiskalotte griff die Gestaltung die des inneren Dachstuhls auf: kleine Sterne auf blauem Grund.

Die Umgestaltung des Innenraums durch Max Spitta um 1896 brachte den dem Zeitgeschmack gezollten ausufernden Historismus der Wilhelminischen Kaiserzeit. Die Veränderungen des Grundrisses durch zusätzliche Seitenarme und die Verschiebung des Altars nach Norden brachen die geschlossen Raumwirkung auf und verdoppelten das Raumvolumen. Durch zusätzlich Umbauten der Emporen sollten von jetzt an über 1000 Sitzplätze zur Verfügung stehen. 1901 wurden die Seitenwände des alten Schinkel-Portals  zugunsten eingefügter Warteräume angeschnitten. Aus derselben Zeit stammt auch die blaugrundige Schrifttafel mit den Worten „Friede sei mit euch“.

 

Im zweiten Weltkrieg wurde der Innenraum weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte, wenn auch modern im Stil der 50er Jahre, so doch schlichter und damit  "im Sinne Schinkels".

Die Emporen wurden in die Seitennischen der Querarme eingezogen und verliefen nahezu bündig mit den Langhauswänden. Sie, ebenso wie die Orgelempore, wurden mit hellem, der Taufstein, die Kanzel und der Altar mit dunklem Walsenfelder Marmor verkleidet. Im Übrigen wurde die Innenraumgestaltung schlicht in hellem Putz gehalten.

Die Einweihung der wiederhergestellten Kirche fand am 23. Juni 1957 statt.


 


Blick vom Altar zum dreitorigen Eingangsbereich

 

 

2.3 Der Dachstuhl
 


Dachstuhl Schinkels mit Verzierungen über den Emporen


Durch Schinkel erhielt St. Johannis einen offenen Dachstuhl, der dem Raum Höhe verlieh und eine freie Wirkung. Die Kassettierungen am Dach waren mit Friesen und Sternen auf blauem Grund versehen.

Ursprünglich wurde die Last der offenen, nicht wie heute in Scheiben aus Brettbindern, sondern aus filigranem Stabwerk gefestigten und bemalten Dachbinderrahmen mit den halbrunden Öffnungen auf Stützen übertragen. Die Halbkreisbögen hatten die Breite des ehemaligen Raumes zwischen den Emporen der Ursprungskirche. Die Stützen standen auf einem Mauervorsprung in der Höhe der Emporenböden.

Die aufwändige hölzerne Dachkonstruktion wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Der durch Bartning und Roth wiederhergestellte Innenraum vermittelt zumindest in der proportional exakten Wiederholung der Schinkelschen offenen Dachstuhlkonstruktion ein Bild des ehemaligen Raumeindrucks. Die hölzerne Dachkonstruktion wurde durch Bartning in vereinfachter Formensprache durch schlichte Bogenbinder interpretiert. Heute wird die Dachlast aber bereits unterhalb des Mauerwerkhauptes von einem Kraggesims auf die Außenwände übertragen.

 

 

2.4 Die Triumphkreuzgruppe
 


Der Altar von St. Johannis mit Taufstein und Pult

 

Die Triumphkreuzgruppe in St. Johannis ist die einzige in Berlin in einem als Kirche genutzten Raum. Die anderen beiden befinden sich in der als Museum fungiernden Nikolaikirche und im Stadtmuseum Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Triumphkreuzgruppe - gotisches Schnitzwerk aus dem 15. Jahrhundert aus der im Krieg zur Ruine gewordenen Franziskaner-Klosterkirche (Berlin-Mitte) -  in St. Johannis eine neue Heimat, wenn auch nicht mehr als Triumphkreuz aufgehängt in einem Jochbogen vor dem Chor, sondern aufgestellt auf dem Altar. Der modernen Nachkriegsinnenraumgestaltung von St. Johannis angepasst erhielten die Figuren ein schlichteres Balkenkreuz, an dem der Gekreuzigte hängt. Die begleitenden Figuren - Maria und Johannes der  Täufer - stehen näher beieinander als ursprünglich.

Der Altar erhielt im Rahmen des Wiederaufbaus als Leihgabe der EKD eine wertvolle Predella aus der Marienkirche in Danzig (Gdansk). Am 1. März 2020 ging sie als Zeichen der Versöhnung und Ökumene zurück an ihre Ursprungskirche nach Polen.

Die jetzt an den Innenwänden der St. Johanniskirche angebrachten vier Holzschnitzfiguren als Symbole für die vier Evangelisten Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Lukas (Stier), Johannes (Adler) (s. Offenbarung 4,7) befanden sich ursprünglich jeweils an einem Ende des Triumphkreuzes.
 


"Die erste sah aus wie ein Löwe, die zweite wie ein Stier, die dritte
hatte ein Gesicht wie ein Mensch, und die vierte glich einem
fliegenden Adler.
" Offenbarung 4,7


 


Fotografie der Kreuzigungsgruppe in ihrer ursprünglichen Hängung
in der Klosterkirche, Berlin/Alt-Mitte

 

Die Orgel von St. Johannis

 

Fensterrosette und Orgel mit dem nur am Heilig Abend rotierenden Zimbelstern

 

 

 

 

 

 

Die ursprüngliche Orgel von 1834 war ein kleines, nur zur Begleitung des Gemeindegesangs geeignetes Instrument. Sie ließ das große Radfenster im Vordergiebel frei, obwohl sie ein kubisches, keineswegs auf die Rundung der Fensteröffnung abgestimmtes Gehäuse hatte.

Im Zusammenhang mit der Spittaschen Erweiterung der Kirche schaffte man 1896 eine große Walcker-Orgel von Sauer aus Frankfurt/Oder an, die zwar stilistisch gelungen an den alten Bau angepasst wurde, die jedoch beinahe die gesamte Höhe und Breite des Bogens über dem Orgelchor ausfüllte. Sie wurde bis zu ihrer Zerstörung 1943 hohen Ansprüchen für konzertantes Orgelspiel gerecht. Leider verdeckte sie das Radfenster völlig.

Als 1959 eine viermanualige Orgel durch das Zehlendorfer Unternehmen Karl Schuke eingebaut wurde, gelang auf Wunsch des Architekten Otto Bartning, der den Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg leitete, eine freie, elegante Anpassung der Werke, insbesondere der Pedaltürme, an den Bogen des Tonnengewölbes und den unteren Abschluss des Radfensters mit Rosette. So entstand eine reizvolle Wechselwirkung von Licht und Instrument, die durch die farbige Fassung des neuen, maßwerklosen Fensters von Hermann Kirchberger noch gesteigert wird.

Die Fensterrose über der Orgelempore soll von Prof. Kirchberger aus Splittern zerstörter Kirchenfenster in Moabit gestaltet worden sein. Die übrigen Kirchenfenster sind im Kontrast in lichten Tönen bleiverglast.


Das Instrument verfügt über:

  • vier Manuale, davon drei unterschiedlich,
  • 35 Registerstimmen, zusammen gut 2.700 Pfeifen,
  • die größte 5,62 m lang, Durchmesser 26 cm,
  • die kleinste 0,005 m (5 Millimeter) lang, Durchmesser wenige Millimeter.


Die Pfeifen sind aus unterschiedlichen Materialien gefertigt, darunter 44 aus Ahorn und 54 aus Kiefernholz, die Mehrzahl allerdings aus einer 60 % Zink-Legierung. Die Orgel hat eine mechanische Traktur mit Tonkanzellen-Schleiflade und einem freistehenden Spieltisch in der Mitte.

Das Spiel auf der Orgel war bis 1966 echte Knochenarbeit. Bei gekoppelten Manualen musste jeder Finger eine Last von 800 Gramm niederdrücken. Deshalb bekam das Instrument anlässlich eines Umbaus einen Transformator und eine elektrische Traktur. Damals bekam die Orgel auch das vierte Manual. Das dafür vorgesehene Rückpositiv wurde aus Geld- und Mutmangel aber nie gebaut. So sind das oberste und das unterste Manual der Orgel identisch.
Die Orgel verfügt über zahlreiche Spielhilfen: u.a. vier bis sechs freie Kombinationen, Fuß- und Handschalter, Wippen, zwei Jalousie-Schweller, einen Rollschweller (Walze).

LAUDATE DOMINUM IN CHORDIS ET ORGANO - "Lobt den Herrn mit Saitenspiel und Instrument" ist die Inschrift über dem Brustwerk der Orgel. Angebracht hat sie Traugott Fedtke. Er war Kantor und Organist an St. Johannis und hat die Disposition für etliche Orgeln ausgearbeitet. In Gedenken an "seine" Orgel in Königsberg (dem heutigen Kaliningrad) hat er diesen kupfergetriebenen Spruch anbringen lassen.