Wir aktualisieren momentan unser Webseiten Design um die Erfahrung auf unserer Website zu verbessern.

 

Das Meerbaum-Haus - unser Begegnungszentrum

Das Meerbaum-Haus, ein altes Gemäuer mit wunderschönem Garten am südlichen Rand unseres Gemeindegebiets, ist einer der einladenden Treffpunkte der Kirchengemeinde Tiergarten:
offen für Jung und Alt, mit oder ohne Kind, für Besucher*innen, Unentschlossene und Neugierige.
Für Ausstellungen, Präsentationen und Offene Bühne.
Für Gespräche, Lesungen, Konzerte,
Theater, Kunst und Handwerk. 
Für Filme und Vorträge,
Gymnastik, Yoga, Tanz und Feiern.
Gemeinsame Mahlzeiten und angeleitete Fahrradreparatur.
Für Beratung, Unterstützung und vielfältige Kurse der Familienbildung im Kirchenkreis Stadtmitte.

Ein Ort, der einlädt zum Mitmachen, Mitgestalten und Verweilen.
Getragen von der Evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten.
 

Wo finden Sie diesen Ort?

-> Meerbaum-Haus, Siegmunds Hof 20, 10555 Berlin

- das blaue Haus direkt am
S-Bahnhof Tiergarten

oder

ca. 500 Meter vom
U-Bahnhof Hansaplatz
entfernt


 

Kalender Meerbaum-Haus

Zur Geschichte des Meerbaum-Hauses


Die 1898 erbaute Stadtvilla wurde 1950 von den ehemaligen Besitzern, der Familie Hartmann, der Kaiser-Friedrich-Gedächtnis Gemeinde geschenkt, die heute Teil der Evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten ist. Die Kaiser-Friedrich-Gedächtnis-Gemeinde hatte in den Nachkriegsjahren im zerstörten Hansaviertel weder eine Kirche noch ein Gemeindehaus und nutzte die Villa für die Gemeindearbeit.

Im Laufe der vielen Jahre diente das Haus unterschiedlichen Zwecken und Menschen.
Während die oberen Etagen vermietet waren, fand im Erdgeschoss und in den Kellerräumen Gemeindeleben statt. In den frühen 50er Jahren beherbergten die Räume einen Kindergarten, es lebten hier Student*innen und kirchliche Mitarbeiter*innen. Später gab es einen Kinderladen und ab 1973 fand hier die Jugendarbeit der Kirchengemeinde einen Ort. Neben dem Ziel, Jugendlichen einen Raum für Gespräche und Begegnungen anzubieten, wurden mit großer ehrenamtlicher Unterstützung Ideen realisiert, die teilweise heute noch Bestand haben und sich großer Beliebtheit erfreuen. Zu nennen ist hier zum Beispiel der Mittagstreff.

Ein Schwerpunkt der Jugendarbeit war in den 80er Jahren der Kontakt zu jüdischen Nachbar*innen, zur Gemeinde Adass Jisroel sowie Fahrten nach Polen und Israel. Die Jugendlichen setzten sich aktiv und intensiv mit der deutschen NS-Geschichte auseinander und stießen auf der Suche nach Zeugnissen jüdischer Vergangenheit auch auf die jüdische Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger. Durch ihre Gedichte fanden die Jugendlichen Zugang zu der Gedankenwelt des Mädchens, die in ihrer hoffnungslosen Lage Lyrik voller Lebensfreude schrieb.

„Selmas Gedichte bringen uns dazu, unsere eigene Lage zu überdenken und Mut zu fassen. Sie zeigt uns, dass es wichtig ist, Liebe und Hoffnung zu bewahren.“ Dies ist ein Zitat aus einem Brief an den Gemeindekirchenrat 1987, mit dem eine Umbenennung des Hartmann-Hauses in Meerbaum-Haus beantragt wurde. Noch im selben Jahr wurde das Haus in „Meerbaum-Haus“ umbenannt und ist in der Region und darüber hinaus als solches bekannt.

Das Meerbaum-Haus hat sich im Laufe der Jahre von einem kirchlich finanzierten Ort für Jugendliche zu einem "Haus für alle" gewandelt, das die Kirchengemeinde trägt. Willkommen sind Menschen jeder Nationalität, Religion, Herkunft und Altersgruppe. Hier ist Raum für generationenübergreifende Begegnung, Gespräch, Nachbarschaftshilfe, Kultur, Besinnung, Handwerk und mehr.

 

Die Namensgeberin Selma Me(e)rbaum

Im Jahr 1924 wird Selma in der Stadt Czernowitz in Rumänien geboren. Bis 1918 gehörte diese Stadt zu Österreich, was das prächtige Stadtbild prägte. Das Leben der aus vielen Regionen und Ländern zugewanderten Bewohner*innen zeichnete sich durch ein friedliches Miteinander von Ethnien und Religionen aus. Eine offene und tolerante Stadt. Die zugezogenen jüdischen Bewohner*innen erhielten – einmalig in Europa – Schritt für Schritt ihre vollen Bürgerrechte. Sie assimilierten sich mit großem Erfolg und standen schon bald für die „deutsche Leitkultur“ in Czernowitz, während andere Ethnien ihren Wurzeln treu blieben und treu bleiben durften. Nachdem Czernowitz an Rumänien fiel, wurde das anders. Rumänisch wurde Amtssprache, kulturelle Vielfalt war unerwünscht. Und doch behielt die Stadt mit ihren Künstler*innen und Intellektuellen noch ihren deutsch-österreichischen Charakter.

In dieser Umbruchzeit wächst Selma auf. Als sie zwei Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Ihre Mutter heiratet den Händler Leo Eisinger. Selma wird seinen Namen nie tragen. Die Familie ist arm und lebt auf engem Raum. Selma entdeckt früh in ihrer Jugend ihre Leidenschaft zu dichten, formt ihre Poeme voller Melancholie und Sehnsucht im Rhythmus zuweilen wie Liedtexte.  
Sie ist Mitglied der zionistischen Jugendgruppe Haschomer Hasair, verliebt sich dort in einen Jungen, Lejser Fichmann, der sich bereits auf seine Auswanderung nach Palästina vorbereitet und ihre großen Gefühle nicht erwidert.

Im Juni 1940 besetzen die sowjetischen Truppen die Region Bukowina um Czernowitz. Selma geht zu dieser Zeit auf ein jüdisches Lyzeum mit der Unterrichtssprache Jiddisch. Die Hoffnungen der Jugendlichen auf eine Verbesserung der herrschenden Verhältnisse durch die Umsetzung sozialistischer Ideen und Verordnungen erlöschen schnell mit den ersten Deportationen von Juden und Jüdinnen. Auch Lejser wird von den Sowjets zur Zwangsarbeit verschleppt. Selma schreibt Gedichte über das, was sie sieht und empfindet. Im Dezember 1940: Traurigkeit und Resignation, doch auch immer noch Optimismus und Hoffnung. 

Im Juni 1941 macht Selma ihren Schulabschluss. Ein paar Tage später beginnt der Angriffskrieg Deutschlands gegen die Sowjetunion. Als Verbündeter Deutschlands erobert Rumänien die Gebiete um Czernowitz zurück und startet ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Zwangsumsiedelungen in ein Ghetto, Vertreibungen und Verschleppungen. Plünderungen und bestialische Grausamkeit. 10.000de jüdische Bewohner*innen werden getötet. Aus diesen Tagen stammt Selmas Gedicht „Poem“.



Poem

Die Bäume sind von weichem Lichte übergossen,
im Winde zitternd glitzert jedes Blatt.
Der Himmel, seidig-blau und glatt,
ist wie ein Tropfen Tau vom Morgenwind vergossen.
Die Tannen sind in sanfte Röte eingeschlossen
und beugen sich vor seiner Majestät, dem Wind.
Hinter den Pappeln blickt der Mond aufs Kind,
das ihm den Gruß schon zugelächelt hat.

Im Winde sind die Büsche wunderbar:
bald sind sie Silber und bald leuchtend grün
und bald wie Mondschein auf lichtblondem Haar
und dann, als würden sie aufs neue blühn.

Ich möchte leben.
Schau, das Leben ist so bunt.
Es sind so viele schöne Bälle drin.
Und viele Lippen warten, lachen, glühn
und tuen ihre Freude kund.
Sieh nur die Straße, wie sie steigt:
so breit und hell, als warte sie auf mich.
Und ferne, irgendwo, da schluchzt und geigt
die Sehnsucht, die sich zieht durch mich und dich.
Der Wind rauscht rufend durch den Wald,
er sagt mir, dass das Leben singt.
Die Luft ist leise, zart und kalt,
die ferne Pappel winkt und winkt.

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
 Ich will nicht sterben. Nein!
Nein.
Das Leben ist rot,
Das Leben ist mein.
Mein und dein.
Mein.

Warum brüllen die Kanonen?
Warum stirbt das Leben
für glitzernde Kronen?

Dort ist der Mond.
Er ist da.
Nah.
Ganz nah.
Ich muss warten.
Worauf?
Hauf um Hauf
sterben sie.
Stehn nie auf.
Nie und nie.
Ich will leben.
Bruder, du auch.
Atemhauch
 geht von meinem und deinem Mund.
Das Leben ist bunt.
Du willst mich töten.
Weshalb?
Aus tausend Flöten
weint Wald.

Der Mond ist lichtes Silber im Blau.
Die Pappeln sind grau.
Und Wind braust mich an.
Die Straße ist hell.
Dann...
Sie kommen dann
und würgen mich.
Mich und dich
tot.
Das Leben ist rot,
braust und lacht.
Über Nacht
bin ich
tot.

Ein Schatten von einem Baum
geistert über den Mond.
Man sieht ihn kaum.
Ein Baum.
Ein
Baum.
Ein Leben
kann Schatten werfen
über den
Mond.
Ein
Leben.
Hauf um Hauf
sterben sie.
Stehn nie auf.
Nie
und
nie.

 

Selmas Familie ist noch als eine der letzten in Czernowitz und kann zunächst zurück in ihre Wohnung. Im November 1941 fasst Selma achtundfünfzig ihrer Gedichte zu einem Band mit dem Titel „Blütenlese“ zusammen. Das Album mit Blumenmotiv widmet sie Lejser Fichmann.

Als auch Selma Ende Juni 1942 nach Transnistrien, einer Region an der heutigen Grenze der Ukraine und Moldaus deportiert wird, gibt sie den Gedichtband einem Freund, um ihn über diesen und ihre Freundin Else Leyser zukommen zu lassen. Leyser erhält ihn, gibt ihn aber vor seiner Flucht nach Palästina an Else zurück, um ihn in Sicherheit zu wissen oder wegen des begrenzten Gepäcks. Leyser wird Palästina nicht erreichen, da das Schiff, das ihn dorthin bringen sollte, torpediert wurde und sank.

Am 16. Dezember 1942 starb Selma Meerbaum-Eisinger im Alter von nur 18 Jahren im Arbeitslager Michailowska an Flecktyphus. Ein Jahr später wurden ihre Eltern in einem anderen Lager von einer SS-Einheit erschossen.

Die „Blütenlese“ nahm schließlich Else mit auf ihren langen Weg nach Israel. Dort wurden die Gedichte 1976 durch Hersch Segal, einen Lehrer Selmas veröffentlicht. In den 1980er Jahren fanden sie so ihren Weg zurück nach Deutschland. 2005 wurden sie durch David Klein vertont.

 

  • Selma Meerbaum-Eisinger – Du, weißt du wie ein Rabe schreit? Helmut Braun (Hrsg.), Rimbaud 2013.
  • Marion Tauschwitz. Selma Merbaum. Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben. zuKlampen! 2014.
  • Felix Rieper, Mollie Brandl Bowen, Arnold Daghani. Lasst mich leben. Stationen im Leben des Künstlers Arnold Daghani, zuKlampen! 2002.

Die Evangelische Familienbildung im Meerbaum-Haus

 

Ihre Angebote richten sich an alle, unabhängig von Familienstand und Lebenssituation und unabhängig von Konfession und Nationalität. Familie lebt heute in vielen Formen. Familie ist da, wo Kinder sind und Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.

Die Evangelische Familienbildung im Kirchenkreis Stadtmitte hat keine eigenen Räume für ihr gesamtes Angebot. Sie ist in diversen Gemeindehäusern (wie auch dem Meerbaum-Haus und an anderen Orten der Kirchengemeinde Tiergarten) zu Gast. Im Zusammenwirken mit der Familienbildung können in diesen Gemeinderäumen spezielle Kurse angeboten werden, die auf Bedürfnisse von Familien in der Region treffen, sie werden zur "Heimat auf Zeit". Mütter und Väter begegnen sich in entlastender, wertschätzender Atmosphäre. Kontakt zu "Gleichgesinnten", die sich in ähnlicher Lebenssituation befinden, wird ermöglicht. Dort kann man sich vertrauensvoll über die neue Familienrolle, über Erziehungsstile, über Freude und Frust austauschen.

Das Motto der Familienbildung ist es seit je her: lernen, Familie zu leben.

 

Angebote im Programmheft der Evangelischen Familienbildung liegen in der Gemeinde aus, werden auf unserer Website im Kalender geführt oder sind zu finden unter www.familienbildung-stadtmitte.de

Diese Angebote sind anmelde- und kostenpflichtig. 
Sie erreichen Petra Reich, die Leiterin der Ev. Familienbildung, für Anmeldungen oder Informationen unter 030 -25 81 85-410 oder über familienbildung@kkbs.de

Ehrenamt im Meerbaum-Haus


Das Meerbaum-Haus ohne Ehrenamt? Undenkbar!

Ohne ehrenamtliches Engagement könnten viele Projekte, Aktivitäten und Veranstaltungen bei uns nicht stattfinden und weiterentwickelt werden. Bis zu zehn Ehrenamtliche – Frauen und Männer zwischen 25 und 75 Jahren - kochen beispielsweise jeden Dienstag in der Küche für andere. Die Gartenarbeit, die Arbeit in der Fahrradwerkstatt u.v.m. wäre nicht zu leisten ohne das solidarische Engagement der unbezahlten Kräfte, die damit humanitäre Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.



Wenn Sie uns in unserer Arbeit ehrenamtlich unterstützen möchten, ist das großartig!

Wir bitten Sie darum, sich mit unserem Geschäftsführer Simon Gramß
(s.grams@ev-gemeinde-tiergarten.de, Telefon 030 / 394 59 00 oder mobil 0173/ 640 99 48 )  
in Verbindung zu setzen oder einfach vorbeizukommen, damit wir gemeinsam ein geeignetes Betätigungsfeld finden. 

 

Spenden für die Arbeit im Meerbaum-Haus


 

 

 

 

 

 

 

 

Das Meerbaum-Haus ist Teil der Evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten und wird von ihr finanziert in seiner Arbeit, die weit über die Gemeinde hinaus wirkt. für Wenn Sie diese Arbeit durch eine Spende unterstützen möchten danken wir Ihnen.
Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

Sie können Ihre Spende auf das folgende Konto einzahlen:

Evangelische Kirchengemeinde Tiergarten
IBAN: De 07 1005 0000 4955 1920 63
BIC: BELADEBEXXX
bei der Berliner Sparkasse 
mit dem Verwendungszweck „Meerbaum-Haus“.